Deutsche Behörden greifen erneut in Wohnungen „niederländischer“ Wanderarbeiter ein: „Das ist moderne Sklaverei“

Unmenschliche Behausung. Sogar moderne Sklaverei. Ina Scharrenbach, Innenministerin des deutschen Bundeslandes Nordrhein-Westfalen, ist sicherlich nicht offen. In einer Großaktion der Polizei durchsuchten deutsche Behörden am Sonntag acht Häuser in Goch, Deutschland, gleich hinter der Grenze in Gennep. Dort fanden sie insgesamt etwa siebzig Wanderarbeiter, meist aus Rumänien. Sie arbeiten hauptsächlich in niederländischen Schlachthöfen.

Ihre Lage war in mehrfacher Hinsicht schlecht. Sie lebten mit viel zu vielen Menschen in schlecht gepflegten Häusern. Brandschutzvorschriften wurden nicht eingehalten. Zwanzig der siebzig Bewohner mussten sogar in Notunterkünfte gebracht werden, da es unverantwortlich war, sie in den Häusern zu lassen.

Außerdem hätten sie für ihre magere Unterkunft viel zu viel Geld bezahlt, folgerten die deutschen Behörden. 300 bis 400 Euro im Monat für eine Matratze auf dem Boden, in einem Zimmer, das sie sich mit jemand anderem teilen mussten. Die deutsche Staatsanwaltschaft ermittelt, ob es sich um „Mietwucher“ handelt.

Zweite Aktion in kurzer Zeit

Die Situation von Wanderarbeitern bereitet dem Grenzgebiet seit einigen Jahren Kopfzerbrechen. Die Niederlande kämpfen mit großer Wohnungsnot, während auf der deutschen Seite der Grenze bei Nijmegen viele Gebäude leer stehen. Darüber hinaus sieht das niederländische Gesetz eine Mietobergrenze für Wanderarbeitnehmer vor: Arbeitsagenturen dürfen nicht mehr als ein Viertel ihres Gehalts als Miete einbehalten. Aber diese Regel kann durch die deutsche Route umgangen werden.

Die Folge: Rund zweitausend Wanderarbeiter leben in deutschen Grenzstädten wie Emmerich, Kleve, Goch und Geldern. Die dortigen Behörden scheinen es zunehmend ernst zu nehmen, gegen Missbrauch vorzugehen. Bereits im Februar gab es in Emmerich und Geldern eine große „Razzia“, wie die Deutschen es nennen. An diesem Wochenende folgte eine zweite große Aktion in Goch.

Während der Februarkampagne war die Situation noch ernster. „Es ist nicht mit den katastrophalen Missbräuchen der damaligen Zeit zu vergleichen“, betonte er. Bezirksrat Silke Gorißen im Neue Ruhr Zeitung† Diesmal ging es nicht um Häuser voller Schimmel und Kakerlaken – wie in Emmerich.

scharfes Schwert

„Wir haben der unmenschlichen Unterbringung von Leiharbeitnehmern erneut einen kräftigen Schlag versetzt“, sagte Minister Scharrenbach in einer Erklärung. Sie verwies auch auf verschärfte Regeln, die in Nordrhein-Westfalen seit einigen Monaten gelten. Ein neues Gesetz definiert nun die Mindestanforderungen für die Unterbringung bei Wanderarbeitnehmern besser.

Auch Eigentümer müssen sich seit dem 31. März bei der Gemeinde melden. Ein Verstoß gegen diese Regel kann mit einer Geldstrafe von 500.000 Euro geahndet werden. Damit, so Scharrenbach, habe die Bundesregierung nun ein „scharfes Schwert“, um gegen solche Missbräuche vorzugehen.

Wie im Februar beteiligte sich auch die niederländische Arbeitsaufsichtsbehörde an der Kampagne. Er wird nun untersuchen, ob Arbeitsagenturen auch gegen Arbeitsgesetze verstoßen haben.

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Helfried Beck

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