Die Sozialdemokraten haben in Schleswig-Holstein hart zugeschlagen

Im Schatten der großen Weltpolitik fanden am Sonntag im kleinen norddeutschen Bundesland Schleswig-Holstein Wahlen statt. In den deutschen Abendnachrichten ging seine Analyse sogar der Berichterstattung über den Ukrainekrieg voraus.

Es ist nicht überraschend. Nach den Landtagswahlen im Saarland (27. März) dienten sie als zweite Bewährungsprobe für die Regierung von Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD), die Koalition aus Sozialdemokraten (SPD), Grünen und Liberalen (FDP) und für die Arbeit die – überwiegend – christlich-demokratische Opposition (CDU/CSU) von Friedrich Merz. Das politische Berlin beobachte das Bundesland „an der Waterkant“ daher mit großer Aufmerksamkeit.

Manöver

Wo die SPD im Saarland mit 43,5 Prozent eine Erdrutschwahl gewonnen hatte, hat sie nun in Schleswig-Holstein einen herben Rückschlag erlitten. Sie fiel auf 16 % (ein Verlust von 10,3 % gegenüber den nationalen Wahlen 2017). Die CDU von Ministerpräsident Daniel Günther erhielt 43,4 % der Stimmen (+11 %).

Als Wahlergebnisse zur Analyse nach Schleswig-Holstein strömten, hielt Olaf Scholz anlässlich des Endes des Zweiten Weltkriegs vor 77 Jahren eine Rede im öffentlich-rechtlichen Rundfunk. Damit stellte die große Politik einmal mehr die „kleine“ in den Schatten. Darunter verbirgt sich laut einigen Analysten ein Manöver der sozialdemokratischen Kanzlerin, um von der Niederlage ihrer SPD abzulenken.

radikale Parteien

Klar ist, dass der Sieg der CDU auch ihrem beliebten Ministerpräsidenten, dem sympathischen Daniel Günther, zu verdanken ist. Anders als seine ostdeutschen Parteikollegen Reiner Haseloff, Ministerpräsident von Sachsen-Anhalt, und Michael Kretschmer, Ministerpräsident von Sachsen, wird von ihm nicht erwartet, dass er radikale linke und rechte Parteien berücksichtigt.

Die Linke verfehlt erneut die 5-Prozent-Hürde und die Alternative für Deutschland (AfD) stürzt nun erstmals in einem deutschen Bundesland darunter. Eine polarisierte Festtagslandschaft stört Günther daher nicht. Sein sozialdemokratischer Herausforderer Thomas Losse-Müller, ein Überläufer von den Grünen, konnte Günther keine einzige Delle in den Panzer schlagen.

Warnung

Sind die Landtagswahlen in Schleswig-Holstein nicht ein Warnsignal für die Bundesregierung? Ohnehin. In der Vergangenheit haben die Sozialdemokraten bei den Landtagswahlen der „Waterkant“ immer ein paar Prozentpunkte besser abgeschnitten als bei den Bundestagswahlen. Am bittersten schmeckt das Ergebnis von 16 % (wobei die SPD bei der Bundestagswahl am 26. September 2021 25,7 % erreichte).

Auch die Sozialdemokraten haben das bittere Gefühl, dass die Siege bei der Bundestagswahl und bei der Landtagswahl im Saarland kein Trend sind. Die Prämie von Bundeskanzler de Scholz tangierte die norddeutschen Sozialdemokraten nicht. Andererseits.

Nationale Agenda „ausstehend“

Der von Russland entfesselte Angriffskrieg gegen die Ukraine hindert die Bundesregierung daran, ihr ambitioniertes innenpolitisches Programm fortzusetzen. Die Rede von mehr Geld für Bundeswehr, Bundeswehr, Waffenlieferungen an die Ukraine, Gas- und Ölembargos gegen Russland nahm in Berlin fast die gesamte Aufmerksamkeit ein.

Scholz tritt in der ganzen Ausgabe als „Führungsschwach“ auf, als Kanzler, der nicht wirklich zu führen, geschweige denn zu kommunizieren versteht† Darüber hinaus plagte sich in der SPD ein Wirbel um die „Russlandversteher“ in den eigenen Reihen, jene Vertreter, die in der Vergangenheit großes Verständnis für Putins Russland zeigten.

großer Lärm

Auch die liberale FDP sorgte für Aufsehen. Er konnte nur 6,4 % der Wähler für sich gewinnen, ein Minus von 5,1 %. Zwar musste die Landes-FDP diesmal auf den populären Wolfgang Kubicki verzichten, doch auch sie litt unter dem mangelnden Durchhaltevermögen der Partei auf Bundesebene.

Die norddeutschen Grünen schnitten gut ab und kletterten auf 18,3 %, ein Plus von 5,4 %. Kein Wunder bei dem starken Eindruck, den Robert Habeck, Bundesminister für Klima und Wirtschaft, und Annalena Baerbock, Bundesministerin des Auswärtigen, hinterlassen haben.

Zunahme

Für die CDU ist der Sieg in Schleswig-Holstein natürlich ein Riesenschub. Für Friedrich Merz, dessen Präsident seit Januar, vielleicht etwas weniger. Günther gilt als „Vertreter der Ära Merkel“ (Die Welt). Von einer Politik, die auf Konsens zielt (und diesen auch verwischt) und deshalb weniger auf eine Schärfung des christdemokratischen Profils abzielt als auf Merz. Nichtsdestotrotz. Äußerlich kann Merz zufrieden sein. Denn am kommenden Sonntag wird im wichtigen Bundesland Nordrhein-Westfalen gewählt. Und der Erfolg fliegt.

Helfried Beck

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