100 Milliarden an die Bundeswehr: Wie steht es jetzt?

International19. Juli 22 12:26Autor: BNR-Web-Editor

Bundesverteidigungsministerin Christine Lambrecht macht diese Woche mehrere Arbeitsbesuche bei Bundeswehreinheiten, um sich ein Bild davon zu machen, wie es der Bundeswehr geht. Kurz nach dem russischen Einmarsch in die Ukraine kündigte Bundeskanzler Scholz an, der Bundeswehr 100 Milliarden Euro zur Verfügung zu stellen. Seitdem stellt sich die Frage: Wohin fließt dieses Geld und endet es gut? Laut dem deutschen Korrespondenten Derk Marseille sehen die Pläne auf dem Papier „gut“ aus, aber bei der Ausführung geht einiges schief.

Vier Monate nachdem die 100 Milliarden Euro versprochen wurden, verstehe man langsam, wohin das Geld gehe, „aber 100 Milliarden sind natürlich so eine riesige Summe, dass es noch etwas vage ist“.

Verteidigung

Auf dem Papier steht jedenfalls, dass der größte Teil der 100 Milliarden für die Verteidigung ausgegeben wird. „Ein Drittel der Summe geht an die deutsche Luftwaffe. Sie werden 35 F35 kaufen. Dies ist das gleiche Gerät, das die Niederlande gekauft haben. Außerdem werden sechzig Chinooks sowie einige Patrouillenflugzeuge für die Marine angeschafft. In Bezug auf die Anzahl und Art der Einkäufe entspricht dies laut Marseille dem, was andere NATO-Verbündete haben.

„Etwa weitere 20 Milliarden fließen in Führungskurse“, sagt Marseille. Es untersucht die tatsächliche Führungskraft der Bundeswehr. Und auch: Wie digital ist es? Und dann geht es nicht darum zu wissen, ob ein deutscher Kommandant eine Gruppe führen kann, sondern vor allem auf welche Weise. Welche Satelliten und Kommunikationsmittel werden dafür verwendet? Etc.‘

Christine Lambrecht, deutsche Verteidigungsministerin (ANP/dpa Picture Alliance)

Schließlich werden mehr als 16 Milliarden für gepanzerte Fahrzeuge ausgegeben. Alte gepanzerte Puma-Fahrzeuge werden durch ein „Upgrade“ von gepanzerten Marder-Fahrzeugen ersetzt. „Sie kaufen auch Patrouillen-U-Boote und 2 Milliarden sind für Kleidung und persönliche Ausrüstung vorgesehen. Etwa 500 Millionen gehen an künstliche Intelligenz, also zur Cyberkriegsführung. Über die verbleibenden 18 Milliarden Euro wird noch diskutiert, was damit geschehen soll.

Leistung

Laut Marseille hinterfragen die Deutschen stark, ob das Geld wirklich richtig ausgegeben wird, auch wenn es auf dem Papier gute Pläne sind. „Wir kennen die Bundeswehr sicher nicht für die erfolgreichsten Projekte. Auf dem Papier sind es zwar gute Pläne, aber bei der Umsetzung ging es schief. Es begann tatsächlich mit RFPs und Beschreibungen dessen, was die Bestellungen erfüllen mussten. Auch ging viel Geld an Lobbyisten, sodass am Ende auch weniger Geld für die Produktlieferung übrig blieb.

harte Kritik

Die Veröffentlichungen geben laut Marseille „aus Sicht der liberalen Partei FDP ein sehr gutes Bild vom aktuellen Stand der Beziehungen innerhalb der Regierung. Finanzminister Christian Lindner hat jetzt viel strategischen Einfluss, die russische Aggression hat dieser ganzen Agenda eine Art Freibrief für die Ausgaben gegeben. So läuft das für einen Augenblick 200 Million zur Energiebande und für einen Augenblick diese 100 Milliarden an Verteidigungsinvestitionen. Lindner droht daher ein wenig unterzugehen“, sagte Marseille. „Es muss einfach weniger in der Milch krümeln.“

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Deshalb muss sie laut Marseille von anderen politischen Parteien deutlich gefördert werden. „Die SPD und die Grünen sollten diesen Plan ganz klar prüfen und sagen, auf die Brieftasche aufpassen und effektiv zuschlagen. Denn bevor man sich versieht, wird das Geld für alle möglichen Dinge ausgegeben, die keinen Zweck erfüllen“, sagt Marseille.

Mariele Geissler

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