Der Fußball in Den Haag half 1938 jüdischen Flüchtlingen

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Immer mehr Initiativen werden vom Sport ergriffen, um ukrainische Flüchtlinge zu unterstützen. Ähnliches geschah 1938 in Den Haag, als jüdische Flüchtlinge aus Deutschland aufgenommen wurden.

Plakat des Komitees für jüdische Flüchtlinge von 1937 aus der Sammlung des Joods Historisch Museum, Niederlande. gemeinfrei durch Europäische

In den letzten Monaten wurden verschiedene Initiativen gestartet, um ukrainischen Flüchtlingen Sportunterkünfte zur Verfügung zu stellen, wie z schrieb Sport & Strategie letzte Woche. In der Vergangenheit hat die Welt des Sports oft Menschen geholfen, die ihre Heimat und ihr Zuhause verlassen mussten.

Jüdische Flüchtlinge

In den 1930er Jahren erlaubten die Niederlande nur wenigen jüdischen Flüchtlingen, die versuchten, den Nazis zu entkommen. Und dann auch noch unter sehr strengen Auflagen: Sie mussten nachweisen, dass sie genug Geld und Möglichkeiten hatten, sich in den Niederlanden eine eigenständige Existenz aufzubauen. Es ist bemerkenswert, dass in Den Haag für diese Politik gehandelt wird.

1938 schlossen die Niederlande die Türen noch mehr. Nur Flüchtlinge, die nachweisen konnten, dass sie sich auf der Durchreise in ein anderes Land befanden, wurden vorübergehend aufgenommen. Und das führte zu einigen erniedrigenden Szenen. Ganze Familien, die nicht aufgenommen wurden, versteckten sich beispielsweise in den Wäldern rund um die Grenze zu Deutschland. Ab 1939 mussten aufgenommene Flüchtlinge im Lager Westerbork Zuflucht suchen, das später während des Krieges die Funktion eines Durchgangslagers für Konzentrationslager wie Auschwitz und Sobibor erhielt.

Anschluss und Reichskristallnacht

Die strenge neue Politik der niederländischen Regierung kam zu einem sehr ungünstigen Zeitpunkt, denn im März 1938 wurde Österreich von Deutschland annektiert. Dieses Anschluß trieb viele jüdische Österreicher außer Landes. Im November 1938 wurde die Reichskristallnacht, ein vom deutschen Staat organisiertes Pogrom. Über hundert Juden wurden ermordet und etwa 30.000 jüdische Männer in Konzentrationslager eingesperrt. Andere versuchten, aus dem Land zu fliehen.

Viele Einwohner von Den Haag haben das alles nicht vermisst, unter anderem die Heimatstadt des jüdischen Fußballvereins De Ooievaars. Dort wurde Ende November 1938 unter Fußballern in Den Haag ein Unterstützungsplan für jüdische Flüchtlinge ausgearbeitet. Es sollte ein Benefizspiel zwischen Fußballern aus Den Haag und einer Mannschaft jüdischer Spieler stattfinden. Der Plan wurde vom Den Haager Fußballverband unterstützt. Auch der Vorstand des VUC-Fußballklubs in Den Haag verstand die Notwendigkeit des Benefizspiels und gewährte am Abend des 29. November die kostenlose Nutzung des Spielfelds Schenkkade.

Das Benefizspiel

Der Haager Fußballverband arbeitete weiter an dem Plan und wählte Spieler der örtlichen Vereine ADO, VUC, HBS und DHC aus und stellte einen Kader zusammen. Das jüdische Team bestand aus den drei Brüdern Meier, Jaap und Nathan Cohen van ‚t Gooi aus Hilversum, Da Costa, M. Waterman, L. Schenkkan, B. Prijs und Wijnschenk aus Amsterdam und De Leeuw aus Steenwijk sowie J. Turfrijer und Oscar Koppens aus Den Haag. Schiedsrichter war Han Lissauer.

Ein Journalist aus Das Heimatland war hier. Die Zuschauerzahlen waren enttäuschend. „Das Interesse war nur sehr mäßig: Rund 2.000 Zuschauer waren da.“ Schade, denn „die Fehlenden haben sich geirrt, da es ein recht schönes und schnelles Spiel geworden ist, bei dem das Spiel nicht auf hohem Niveau war, bei dem aber ab und an auch mal guter Fußball gezeigt wurde.“

Laut dem Journalisten zeichneten sich die jüdischen Spieler durch ihren Enthusiasmus aus, „meistens überwanden sie die beste Technik und Taktik der Hagenaars“. Auch die jüdische Mannschaft hatte seiner Meinung nach einen tollen Torhüter: „Außerdem war ihr Torhüter Mr. Cohen wirklich in Topform, wodurch er unglaublich viele sehr gefährliche Bälle zurückhalten konnte.

Aufregend

Es blieb angespannt: „Auch wenn die Einwohner von Den Haag vor Ort etwas dominant waren, waren die jüdischen Angriffe dennoch äußerst gefährlich. Deutlicher wurde dies in der 24. Minute, als die Gäste nach einem heftigen Treffer von Koppens, leicht abgefälscht von Dorjee, in Führung gingen (0:1). Mit dieser Position kam Frieden. Nach dem Wiederanpfiff stellte sich jedoch heraus, dass das Tempo in der ersten Halbzeit für die jüdischen Spieler etwas zu hoch gewesen war, die Spieler aus Den Haag nun aber einen großen Vorsprung herausholten. Schon nach 10 Minuten war der Ausgleich im Netz, ein schönes Tor von vd Beukel (1:1).‘

Dies war auch der Endstand. Es ist unklar, wie viel Geld das Benefizspiel einbrachte. Auf jeden Fall haben die Bewohner der Hofstadt mit der Ausrichtung des Wettbewerbs soziales Engagement und Menschlichkeit bewiesen, was man von der am gleichen Ort sitzenden Regierung nicht behaupten kann.

Adelhard Simon

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