Altminister Markus Meckel wirft Deutschland Naivität gegenüber Putin vor

Markus Meckel outete sich in der DDR als Dissident. Kurz vor dem Mauerfall gründete er mit ihr die SPD und wurde nach freien Wahlen letzter Außenminister der untergehenden DDR. Damit kann er die deutsche Politik gegenüber Russland und Wladimir Putin gut beurteilen. Und er ist nicht freundlich zu seinen Parteimitgliedern. Die SPD gilt als Partei der „Russlandversteher“, der Verständigen …

Markus Meckel outete sich in der DDR als Dissident. Kurz vor dem Mauerfall gründete er mit ihr die SPD und wurde nach freien Wahlen letzter Außenminister der untergehenden DDR. Damit kann er die deutsche Politik gegenüber Russland und Wladimir Putin gut beurteilen. Und er ist nicht freundlich zu seinen Parteimitgliedern.

Die SPD gilt als die Partei der ‚russlandeversteher‚, diejenigen, die die Kreml-Politik verstehen oder sogar mit ihr kokettieren. Das sagte der 70-jährige Ex-Minister in einem Interview mit Die Welt über „deutsche Naivität gegenüber Putin“.

Ihm zufolge geht es auf jenen vorstellbaren Tag zurück, als Putin im Bundestag eine Rede hielt. Es war der 25. September 2001, genau zwei Wochen nach ‚elfter September‚. Der russische Präsident hat den Deutschen mit schönen Sätzen Honig auf den Bart geschmiertdann deutsch. Sätze wie: ‚Wir haben Ihr Land immer als ein bedeutendes Zentrum der europäischen und der Weltkultur Melken, für deren Entwicklung auch Russland gefallen ist.‘ („Wir haben Ihr Land immer als ein wichtiges Zentrum der europäischen und der Weltkultur betrachtet. Russland hat auch einen großen Beitrag zu seiner Entwicklung geleistet.“)

Ohne Grenzen

Damals konnte der Westen russische Unterstützung im Kampf gegen den islamistischen Terrorismus gebrauchen. Der damalige Abgeordnete Meckel war jedoch misstrauisch gegenüber dem Mann, der hochtrabend von einer Zusammenarbeit mit dem Westen sprach, während er Grosny, die Hauptstadt der Tschetschenischen Republik, niederbrannte.

Unter Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) setzte Deutschland dann immer stärker auf Dialog und Kooperation und wurde bei der Energieversorgung immer abhängiger von Russland. Unterdessen verfolgte Putin in seiner Innenpolitik zunehmend einen autoritären Ansatz. Er nannte die ehemaligen Sowjetrepubliken ein „nahes Ausland“, ein Zeichen dafür, dass ihm ihre Souveränität wenig am Herzen lag.

Meckel argumentiert, dass der Westen Putin seine „Grenzen“ nie klar gesagt habe. Dies wurde beispielsweise deutlich, als die Nato es nach dem Ausbruch des Kreml-Krieges gegen Georgien im August 2008 versäumte, den Nato-Russland-Rat als beratendes Gremium zu engagieren, um ihn sofort zu beenden. Putin erkannte bald, dass er gegen seine imperialen Ambitionen mit wenig Widerstand rechnen musste. Dass Deutschland auch nach der Annexion der Krim durch Russland im Jahr 2014 mit dem Bau der Gaspipeline Nord Stream 2 begonnen hat, dürfte deutsche Politiker erröten lassen, so Meckel..

„Moskau zuerst“

Gibt die SPD der naiven Politik die Schuld? Nicht vollständig, denkt Meckel. Schließlich war es die christdemokratische Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), die von 2005 bis 2021 die Sicherheitspolitik der Bundesrepublik geprägt hat. Aber natürlich lässt sich nicht leugnen, dass die SPD mit der Ostpolitik Altkanzler Willy Brandt versicherte, die deutsche Politik betreffe nur Moskau. Auch Egon Bahr, außenpolitischer Berater Brandts, sprach von „nach der deutschen Einheit 1990“Moskau zuerst‚. Er tat dies aus Verantwortungsbewusstsein der Deutschen für die Verbrechen des nationalsozialistischen Regimes in den Jahren 1941-1944 in der Sowjetunion, dem Vorgängerstaat der Russischen Föderation.

Man sollte sich, so Meckel, auch die anderen aus der Sowjetunion hervorgegangenen Staaten wie die Ukraine, Weißrussland und die baltischen Staaten anschauen. Außerdem sollte jeder neue Partei- oder Fraktionsvorsitzende der SPD nach seinem Amtsantritt zunächst Warschau besuchen, die Hauptstadt des Landes, die seit jeher zwischen Deutschland und Russland eingekeilt ist und in der Vergangenheit oft der Politik beider zum Opfer gefallen ist. regionale Mächte.

Waffen für die Ukraine

In Deutschland sind die Meinungen darüber geteilt, ob und in welchem ​​Umfang Waffen an die Ukraine geliefert werden sollen. Meckel begrüßt die ‚ZeitenwendeBundeskanzler Olaf Scholz (SPD) – die Erhöhung des Militärhaushalts – als Reaktion auf die russische Drohung, bedauert aber, dass deren „Umsetzung“ viele Mängel aufweist. Die Ukraine sollte in der Lage sein, sich mit schweren Waffen und sogar modernen Panzern auszurüsten, weil: „Wer heute nach Verhandlungen und Waffenstillstand ruft, rechts die russischen Fehler zu zementieren.‘ („Jeder, der heute Verhandlungen und einen Waffenstillstand fordert, droht, russische Eroberungen zu zementieren.“)

Solange erobernde russische Truppen in fremdes Territorium vorgedrungen sind, ist eine neue Sicherheitsarchitektur für Europa, die auch Russland einschließt, undenkbar. Interessant ist, wie Meckel eine mögliche Mitgliedschaft der Ukraine in der Europäischen Union (EU) sieht. EU-Beitrittskandidaten – darunter seit dem 23. Juni 2022 auch die Ukraine – sollen Beobachterstatus im Europäischen Parlament erhalten. Beobachter sollten ausgewählt werden, damit in den betreffenden Ländern eine nationale Debatte über die EU stattfinden kann und die Bürger mit ihrer Funktionsweise und ihren Entscheidungsmechanismen vertraut werden.

Russen in Ostdeutschland

Abschließend geht Meckel auf die Frage ein, warum 65 % der Ostdeutschen den weiteren Gasfluss über Nord Stream 2 wollen und ein Drittel von ihnen Sanktionen gegen Russland ablehnt. Hatten die Bürger der ehemaligen DDR nicht negative Erfahrungen mit den Sowjets, denken Sie nur an den brutal niedergeschlagenen Volksaufstand von 1953? Natürlich, sagt Meckel, aber dann kam Gorbatschow. Der Kreml-Reformer habe den Bewohnern der DDR Hoffnung gemacht, was ihre Wahrnehmung der Russen seitdem positiver geprägt hätte.

Diese Antwort mag etwas simpel erscheinen. Tatsache ist, dass Ostdeutsche fast 50 Jahre lang, vom Ende des Zweiten Weltkriegs bis 1994, mit russischen Truppen auf ihrem Territorium lebten. Diese russische Präsenz in der Gesellschaft prägte das ostdeutsche Denken und Fühlen.wo die Russen die „Fremden“, die „Unbekannten“ für die Westdeutschen und für uns im Westen im Allgemeinen waren.

Kein Service bei der NVA

Ist Meckel vielleicht ein versteckter „Russlandversteher“? Schwer zu sagen, aber die Russen kennt er bestimmt. Und aus dem Interview geht hervor, dass er – wenn auch nicht mit diesen Worten – zwischen Volk und Regime unterscheidet. Wenn er Waffenlieferungen an die Ukraine befürwortet, dann deshalb, weil er die Armee nur als Mittel zur Rechtsdurchsetzung sieht. Dass er als Bürger der DDR keinen Wehrdienst in der Volksnationalarmee (ANV) leisten wollte, war nicht nur pazifistischen Überlegungen geschuldet, sondern nach eigener Aussage auch dem besonderen Anliegen der „Nationaler Rand‚. Also die nationale Frage, die Tatsache, dass seine Familie in Westdeutschland lebte und seine Überzeugung, dass es nie wieder einen Krieg von deutschem Boden aus geben sollte.

Adelbert Eichel

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