Deutsche Koalition erreicht viele Ziele, hat aber dennoch einen schlechten Ruf

In Deutschland passiert schon seit einiger Zeit einiges. Die Branche steckt in Schwierigkeiten, die Inflation bleibt hoch und mehrere Branchen leiden unter Personalmangel. „Seien Sie geduldig“, wiederholt Bundeskanzler Olaf Scholz immer wieder. Ihm zufolge hat seine Regierung genügend Maßnahmen ergriffen, um die Wirtschaft wieder auf Kurs zu bringen. Sein Plan ist, die Energieversorgung Deutschlands zu sichern und mehr Fachkräfte anzuziehen.

Doch nachdem die Regierung nach den Sommerferien wieder an die Arbeit gegangen ist, wirkt Scholz im Bundestag plötzlich ungeduldig. „Die Bürger haben genug von der Untätigkeit, und ich auch“, sagt er mit der großen schwarzen Augenklappe, die er seit einem Joggingunfall trägt. Seine Koalition befindet sich in der Halbzeit, doch die Stimmung im Land ist auf einen historischen Tiefpunkt gesunken. Scholz fordert daher eine nationale Anstrengung, um Deutschland „wieder fit“ zu machen. Scholz nannte dies den „Deutschen Pakt“.

Finger an empfindlicher Stelle

Das Land müsse sich in naher Zukunft von „Bürokratie, Risikoaversion und Entmutigung“ befreien. Scholz will eine bessere Zusammenarbeit zwischen der Berliner Regierung und den Ländern, insbesondere durch eine Vereinfachung der bisher schwierigen Projektgenehmigungsverfahren. Das Land muss sich schneller modernisieren und digitalisieren. „Die Bürger wollen mutige Führung und Kompromisse“, sagte er. Sie würden es von den Regierungsparteien fordern, die „in den letzten Monaten zu viel gestritten haben“.

Scholz legt den Finger auf den wunden Punkt. Denn in letzter Zeit verging kein Tag, an dem seine Koalition nicht stritt. Diesen Sommer ging es um Wärmepumpen, derzeit gibt es einen heftigen Streit um die Familienbeihilfen. Scholz fungiert vor allem als Vermittler zwischen den Grünen und der liberalen FDP, die sich nicht immer verstehen. Das schafft Misstrauen: Umfragen zeigen, dass mittlerweile 60 Prozent der Deutschen der Meinung sind, dass die Koalition ihre Arbeit nicht gut macht.

Eine Studie der einflussreichen Bertelsmann-Stiftung kommt jedoch zu einem ganz anderen Ergebnis. Gemeinsam mit der Universität Trier und einem Think Tank prüfte die Stiftung alle im Koalitionsvertrag enthaltenen Projekte. Mittlerweile scheinen zwei Drittel dieser Projekte im Gange oder abgeschlossen zu sein. Laut Forscher Robert Vehrkamp handele es sich um ein „vielversprechendes Zwischengleichgewicht“, das von „öffentlich hervorgehobenen Koalitionskonflikten“ überschattet werde.

Dieses Ergebnis übertrifft sogar die Zwischenergebnisse fast aller ehemaligen deutschen Bundesregierungen. Diese „Ampelkoalition“ in den Farben der Sozialdemokraten (SPD), der Grünen und der liberalen FDP ist ambitionierter. Sie hat 50 Prozent mehr Projekte im Koalitionsvertrag als die letzte Regierung von Angela Merkel. Doch die Deutschen scheinen sich dessen kaum bewusst zu sein. Eine Studie der Bertelsmann-Stiftung zeigt, dass nur 12 Prozent der Meinung sind, dass ein Großteil des Koalitionsvertrags bereits umgesetzt sei.

Die deutsche Politik ist fragmentiert

In verschiedenen Zeitungsartikeln wird die Koalition daran erinnert, dass sie danach streben müsse, mit ihrer Politik die Deutschen besser zu erreichen. Die Regierung müsse der Bevölkerung „den Mut geben, sich den Herausforderungen unserer Zeit zu stellen“. Altkanzlerin Merkel hat es besser gemacht. So gaben beispielsweise im April 2020, während der Pandemie, drei Viertel der Deutschen an, mit dem Krisenmanagement der Regierung zufrieden zu sein.

Laut Wolfgang Schröder, Präsident der an der Studie beteiligten Denkfabrik, befindet sich Scholz in einer schwierigen Lage: „Wir leben nicht mehr in einer Kanzlerdemokratie.“ Kanzler wie Adenauer oder Kohl hatten das Sagen und konnten relativ unabhängig Entscheidungen treffen. „Scholz hat diese Macht nicht“, glaubt Schröder, weil die deutsche Politik zunehmend fragmentiert sei. Jahrzehntelang bestanden Koalitionen aus zwei Parteien, doch heute müssen drei divergierende Regierungsparteien gemeinsam Lösungen finden.

Doch trotz Scholz‘ Aufruf zu „mutigen Kompromissen“ scheinen sich die Parteien bei den Plänen für dieses Jahr erneut zu streiten. Die SPD will etwas im Renten- und Sozialmietrecht tun, während die Grünen auf nachhaltige Energie setzen und die Abhängigkeit Deutschlands von China verringern wollen. Die FDP setzt nun auf Digitalisierung und Projekte im Bildungsbereich. Scholz riskiert, „Vermittlungskanzler“ bleiben zu müssen.

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Kanzler Scholz verspricht, den Streit zu beenden.

Bundeskanzler Olaf Scholz versprach feierlich, dass er und seine Minister mit dem Streit aufhören würden. Scholz tat dies diese Woche nach einer Klausurtagung mit sechzehn Ministern auf Schloss Meseberg, einem Barockschloss nördlich von Berlin. Hinter verschlossenen Türen versuchten Kabinettsmitglieder, dem Streit ein Ende zu setzen.

Adelbert Eichel

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