Spalte | Dummheit lässt uns den Krieg spüren

Besuch der deutschen Bundeskanzlerin in den Niederlanden, deutsche Waffen in der Ukraine, gerade aus Deutschland zurückgekehrt. In meinem Kopf höre ich ständig ein gedicht über die gräbenSchützengraben, des Österreichers Ernst Jandl. †[…] schtzngrmm/ schtzngrmm/ tssssssssssss/ grrt/ grrrrrt/ grrrrrrrrrt/ scht/ scht/ tttttttttt/ scht/ tzngrmm/ tzngrmm/ tttttttttt […]

Wollten Sie schon immer wissen, was Kriegsliteratur zu sagen hat? Das ist es. Jandl schrieb das Lautgedicht 1957. Ohne Vokale – „Krieg singt nicht“ – und mit schneller Dynamik das nach Jandl selbst erleichtert die Schwere des Kriegsthemas. „Das Gedicht hat etwas sehr Verspieltes, auch wenn es mit endet ttttdie man leicht liken kann ‚bis† [dood] anerkennen.“

Natürlich brach die Aufregung aus über „schtzngrmm† Was für einige eine Erklärung des politischen Widerstands war, ein Antikriegsgedicht, hatte… nach anderen eine naturalisierende Wirkung auf die Jugend und den ästhetischen Geschmack. Es klang sehr nach allem, was jahrelang zu Recht und erfolgreich als „Schmutz und Dreck“ bekämpft wurde.

Verleger, die das Gedicht in Zeitschriften und Anthologien veröffentlichten, wurden gefeuert. Ttt† Jandl konnte seinen Job jahrelang nicht verlieren. Ttt† Als das Gedicht 1966 wieder auftauchte, wandte sich ein Kritiker dem ästhetischen Immoralismus zu. „Werden Wortspiele der Erfahrung der Schützengräben gerecht? Ein Wissenschaftler fragte sich, ob Krieg hier ernst genommen wurde. „Tatsächlich ist dieser Text eher lustig als beängstigend und warnt vor Kriegen.“

erschrecken. Entlassung. Hör auf zu veröffentlichen. Pleuritis. Ernsthafte Menschen waren überzeugt, dass sie mit ihrer Wut und Ausgrenzung dem Weltfrieden mehr Gutes tun würden, als Glücksspiel und Leichtsinn es jemals könnten. Wer das Dasein ernst nimmt, schrieben sie nicht, dichtet nicht. Er bekämpft sie. Erwachsene verachten Gedichte, die mit enden tttt† Und ist es nicht schändlich leichtsinnig von mir, dass ich jetzt die schtzngrmm von Jandl in meinem Kopf?

Im Radio verfolgte ich die Nachrichten über Bundeskanzler Scholz, der in die Niederlande kam, um über Rüstung zu sprechen. Die Zeitungen sprachen darüber Zeitenwende, die Tatsache, dass sich die Zeiten ändern. Die Politiker haben gesprochen Vintage-Spaziergang, die Tatsache, dass die Ära des Friedens vorbei ist und die der schweren Verteidigung angebrochen ist. Hundert Milliarden Euro für die Verteidigung. Die deutschen Verteidigungsausgaben sind die höchsten in Europa.

In meinem Kopf hörte ich noch die gebrochene Sprache der Kriegslyrik, weil ich aus Deutschland kam, wo ich gerade Gedichte gehört hatte. Aber in der Zwischenzeit habe ich darüber gelesen eine ernsthafte Auseinandersetzung mit dem deutschen Krieg† Schriftsteller und Künstler hatten Bundeskanzler Scholz dabei ein offener Brief aufgefordert, keine schweren Waffen an die Ukraine zu liefern. Der Kampf musste aufhören. Wenn es „eine grundsätzliche politische und moralische Pflicht“ zur Verteidigung gebe, so finde diese Verteidigungspflicht ihre Grenzen in anderen „Vorschriften der politischen Ethik“.

Es war kein Brief, den ich unterschreiben wollte. Nur weil es so schlecht geschrieben ist. Was sind diese Gebote der politischen Ethik? Was ist überhaupt politische Ethik? Wo sind die Grenzen zwischen einer Pflicht und einer anderen? Und warum? Glücklicherweise meldete sich eine der Unterzeichnerinnen, die Schriftstellerin und Anwältin Juli Zeh, in der deutschen Zeitung zu Wort Die Zeit viel heller. In diesem Krieg gehe es nicht ums Gewinnen oder Verlieren, sagte sie. „Es geht darum, Menschenleben zu retten.“

Und da liefen in diesem Sinne plötzlich die Linien von Poesie und Pflicht zusammen. Nein, natürlich war es nicht Sache des Schriftstellers Zeh, wie der Interviewer über die Lieferung von Waffen zu entscheiden Die Zeit schlug schon leicht empört vor. Dafür sind demokratisch gewählte Regierungen da. Aber sie konnte uns daran erinnern, dass es bei Entscheidungen im Grunde nicht um Ausgaben und Investitionen, Moralismus und geopolitische Grenzen geht, sondern um das individuelle Leben der Menschen.

Es klingt albern und naiv, und das ist es auch, aber in einem schwer bewaffneten Zeitalter schadet es nicht, das Dumme und Naive zu wiederholen. Es ist dumm schtzngrmm van Jandl wurde schließlich zum Klassiker, gerade weil das Gedicht nicht vom Krieg handelt, ihn nicht verurteilt, sondern Krieg spüren lässt. Dies reduziert den Kampf auf die Essenz von Shoot and Die.

Es sind die Aggressoren dieser Welt, die ein Spiel mit uns spielen: Moralisierung und Immoralismus sind ganz auf ihrer Seite. Die Leichtigkeit eines einzelnen Gedichts mag im Vergleich nicht so effektiv sein, aber gute Poesie hat große Kraft: Sie bleibt Jahrzehnte lang im Kopf.

Adelbert Eichel

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