Russland-Experte Hans van Koningsbrugge: „Aufgrund des Krieges in der Ukraine wird der Status von Kaliningrad zu einem heißen Thema“

Hans van Koningsbrugge, Professor für russische Geschichte und Politik an der Universität Groningen, kommentiert jeden Mittwoch in dieser Zeitung den Krieg in der Ukraine. Heute Folge 46.

„Litauen hat seit letztem Wochenende den Transport von Waren aus Russland über litauisches Staatsgebiet nach Kaliningrad blockiert. Russlands westlichster Marinestützpunkt befindet sich in Kaliningrad. Es ist ein eisfreier Hafen an der Ostsee. Dieser Stützpunkt wurde noch per Zug aus Russland versorgt.

Darüber gab es in der Vergangenheit Streit. Zwischen der EU, Litauen und Russland laufen seit langem Verhandlungen. Das Ergebnis war: Wenn auf dieser litauischen Straße Waffen transportiert werden, bleiben die Züge geschlossen und dürfen nicht halten. Befinden sich Soldaten an Bord, werden die Waffen separat mitgeführt.

Die Blockade ist ein großes Problem für die Russen

Diese Militärtransporte auf litauischem Territorium sind wegen des Krieges in der Ukraine nicht mehr möglich. Doch nun blockiert auch Litauen Waren auf der EU-Sanktionsliste. Dadurch ist die Versorgung der Garnison, aber auch der Bevölkerung Kaliningrads deutlich erschwert. Das ist ein großes Problem für Russen.

Über Jahrhunderte war Kaliningrad als Königsberg die östlichste und nördlichste Großstadt des Deutschen Reiches. Die Stadt, in der der weltberühmte Philosoph Immanuel Kant (1724-1804) geboren wurde und starb, hat eine besonders reiche Vergangenheit.

„Nur auf dem Land gibt es deutsche Nachkommen“

Am Ende des Zweiten Weltkriegs wurde Königsberg vollständig zerstört und es fanden ethnische Säuberungen statt. Die überlebenden Deutschen wurden deportiert. Nur auf dem Land außerhalb der Stadt sind deutsche Nachkommen zu finden. Die Sowjets benannten die Stadt in Kaliningrad um.

Nach dem Krieg gehörte Kaliningrad als russische Enklave zu Polen und Litauen. Das war kein Problem, als diese Länder noch auf Moskau fokussiert waren. Nachdem Polen und Litauen Mitglieder der NATO und der EU geworden waren, wurden besondere Maßnahmen ergriffen. So durften Einwohner von Kaliningrad ohne Visum bis zu 30 Kilometer über die polnisch-litauische Grenze und umgekehrt reisen.

Durch den Krieg in der Ukraine wird der Status von Kaliningrad plötzlich zu einem heißen Thema.

Adelbert Eichel

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