„Russische Trollarmee verbreitet Fake News aus St. Petersburger Fabrik“

Das Hauptquartier der Trollarmee würde sich in einer Fabrik eines Unternehmens befinden, das militärische Ausrüstung und Technologie herstellt. Ab Werk verbreiten sich „Lügen“ über soziale Netzwerke und in Kommentaren auf beliebten Webseiten, Berichte das britische Außenministerium auf der Grundlage externer Ermittler.

Bezahlte Mitarbeiter der Trollfabrik würden nicht nur Politiker ins Visier nehmen, sondern beispielsweise auch Musiker und Bands unter anderem aus Großbritannien, Südafrika und Indien. Sie nutzen auch Online-Plattformen, um neue „Trolle“ zu rekrutieren.

Von Boris Johnson bis Tiesto

Nach Angaben des Ministeriums wurden die Konten mehrerer britischer Minister, darunter Premierminister Boris Johnson, angesprochen. Auch der deutsche Bundeskanzler Olaf Scholz und der EU-Außenbeauftragte Josep Borrell wurden ins Visier genommen, ebenso wie die Bands Daft Punk und Rammstein und die DJs David Guetta und Tiësto.

„Wir können nicht zulassen, dass der Kreml und seine Trolle mit ihren Lügen über Putins illegalen Krieg in unsere Online-Räume eindringen“, sagte die britische Außenministerin Liz Truss.

Instagram, Youtube und TikTok

Die britische Regierung informierte ihre Verbündeten über die Ergebnisse. „Wir werden weiterhin eng mit unseren Verbündeten und Medienplattformen zusammenarbeiten, um Russlands Geheimdienstoperationen zu untergraben“, sagte Truss.

Spuren der russischen Operation wurden auf acht Online-Plattformen gefunden, darunter Instagram, YouTube und TikTok. Den Ermittlern zufolge besteht ein angeblicher Zusammenhang zwischen der Operation und dem Oligarchen Jewgeni Prigoschin, der enge Verbindungen zum russischen Präsidenten Wladimir Putin unterhält.

„Das sind hinterhältige Versuche von Putin und seiner Propagandamaschine, die Welt über die Brutalität zu täuschen, die er dem ukrainischen Volk zufügt“, sagte die britische Kulturministerin Nadine Dorries. „Diese Beweise werden uns helfen, russische Desinformationen effektiver zu identifizieren und zu unterdrücken.“ Wer die Ermittler waren, gab das Ministerium aus Sicherheitsgründen nicht bekannt.

Taktisch

Laut der Studie konzentrieren sich russische Trolle zunehmend auf das Posten von Kommentaren in sozialen Medien und Nachrichtenseiten, anstatt ihre eigenen Videos oder Artikel zu posten. Sie tun dies in der Hoffnung, dass sie weniger wahrscheinlich von Technologieunternehmen entdeckt werden. Die Trolle rufen auch dazu auf, die Profile von Kreml-Gegnern und -Kritikern gezielt anzusprechen und sie mit pro-Kreml-Kommentaren zuzuspammen.

Darüber hinaus suchen sie auch verstärkt nach Posts von echten Nutzern, die sich an Kreml-Regeln halten, und versuchen dann, die Reichweite dieser Posts zu erhöhen.

Helfried Beck

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