Rezension Peter von Kant – Rezension auf FilmTotaal

Richtung: François Ozon | Skript: François Ozon | Gießen: Denis Ménochet (Peter von Kant), Isabelle Adjani (Sidonie), Khalil Ben Gharbia (Amir Ben Salem), Stefan Crépon (Karl), Hannah Schygulla (Rosemarie von Kant), andere | Spielzeit: 85 Minuten | Jahr: 2022

Der viel zu früh verstorbene deutsche Filmemacher Rainer Werner Fassbinder brachte 1972 Die bitteren Tränen der Petra von Kant von. Das Beziehungsdrama drehte sich um eine verbitterte, aber selbstbewusste Modedesignerin, die von ihrem Mann beiseite geschoben wird. Sie lernt die viel jüngere Karin kennen, ein Model, in das sie sich sofort verliebt und willkommen heißt. Fassbinder orientierte sich dabei an seinem eigenen Theaterstück, das damals schon Kult war.

In François Ozons Neuverfilmung bleibt Fassbinders theatralischer Ansatz erhalten, aber die Modedesignerin Petra von Kant wird durch den Regisseur Peter von Kant ersetzt. Er wird von seinen Freunden und Kollegen bewundert, aber sein Mann hat ihn in den Müll geworfen. Ihre schweigsame rechte Hand Karl verehrt sie und befolgt pflichtbewusst all ihre lächerlich anspruchsvollen Befehle.

Eines Tages stellt Peters bester Freund ihm den hübschen jungen Algerier Amir vor. Die Filmemacherin ist sofort von ihrem Charme gefangen und lädt sie zu einem Screentest ein. Obwohl Amir verheiratet ist und seine Frau in Australien lebt, hindert das Peter nicht daran, ihn aufzunehmen und eine turbulente Liebesaffäre mit ihm zu beginnen. Es ist eine Beziehung, die nicht nur ungleich, sondern auch zum Scheitern verurteilt ist.

Peter versucht, die makellose Schönheit des Jungen einzufangen und damit seine intellektuellen Fähigkeiten vollständig zu deaktivieren. Ästhetik übertrumpft den gesunden Menschenverstand, und Peter wird emotional und körperlich völlig abhängig und unterwürfig gegenüber Amir, der ihn eindeutig für seinen Reichtum und seine Kontakte ausnutzt. In langen Szenen, die allesamt in Peters deutscher Wohnung in den 1970er Jahren spielen, sehen wir, wie eine Beziehung aufblüht und unweigerlich in Neid, Hass und Groll umschlägt.

Es klingt wie eine vollständig symbiotische Beziehung, aber tatsächlich ist es ein schädlicher Zustand, bei dem die beiden Beteiligten wie Vampire aufeinander trinken. Dies erzeugt ein großes Unbehagen. Peters Freunde und sogar seine eigene Tochter und Mutter (gespielt von Hannah Schygulla, die im Original als Model auftrat) können sich nicht dazu durchringen, dem Filmemacher gegenüber ehrlich zu sein. Auch sie sind abhängig geworden von dem Mann, dem nichts zu viel ist, der Geld ausgibt wie Wasser.

Ozon schafft es, die fast schon diktatorische Kraft des Auftretens wunderbar einzufangen und so dem Betrachter unter die Haut zu gehen. Das Unbehagen ist vom ersten Moment an spürbar, wobei das Ungesagte am meisten spricht. Aber das Fleisch und die Versuchung sind schwach.

Es ist nur Peters erbärmliche Unabhängigkeit, die nicht ganz gut sitzt. Es ruht zu sehr im Hintergrund, während es zu anderen Zeiten auf groteske Weise exzessiv auf den Betrachter gezogen wird. Jeder kennt die Situation, in der die Liebe blind macht und jeden Realitätssinn verliert, aber das Leben von Peter von Kant, der alles zu haben scheint, was sein Herz begehrt und sich den Rest mit seinem Geld erkaufen kann, findet beim Betrachter zu wenig Beziehung.

Dass Ozon eine lesbische Beziehung in eine schwule Beziehung verwandelt hat, ist aus seiner eigenen Perspektive und seinem künstlerischen Schaffen verständlich, aber es war nicht unbedingt eine notwendige Entscheidung. Er weiß jedoch, wie man eine parasitäre Beziehung herstellt, die vor allem von Assistent Karl misstrauisch betrachtet wird. Sein Interpret Stefan Krepon ist das Gewissen und die Jury dieses Dramas und eine permanente Präsenz unterdrückter Aggression. Irgendwann muss diese Bombe explodieren.

Poldie Hall

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