Die Elite regiert in der Champions League, aber die Hoffnung lebt weiter

Hätte Matthijs de Ligt am 8. Mai 2019 in der sechsten Minute der Nachspielzeit einen Sliding Tackle gemacht, um den Ball vor Lucas Mouras Füßen zu klären, wäre Ajax in diesem Jahr im Champions-League-Finale gestanden und nicht Tottenham Hotspur. Vorbei sind die Gedanken, dass ein niederländischer Klub dieses Niveau nie wieder erreichen könnte. Aber de Ligt zweifelte und sah, wie Lucas Moura die Spurs extrem ins Finale zog, das schließlich gegen Liverpool verlor.

Hoffnung gibt Leben, und wenn es sich jemals so anfühlt, dann ist es der Beginn einer neuen Fußballsaison. Jedes Jahr. Am Mittwochabend startet Ajax in die neue Champions-League-Saison gegen die Rangers FC von Trainer Giovanni van Bronckhorst in der Johan Cruijff Arena, die nach dem Mann benannt wurde, der einmal sagte, er habe noch nie gesehen, wie ein Geldbeutel ein Tor erzielte. Mit anderen Worten, beim Fußball geht es nicht nur um Geld. Auch Louis van Gaal hat vor einigen Jahren erzählt obwohl er es nicht für unmöglich hielt, dass ein niederländischer Klub eines Tages die Champions League gewinnen würde.

große Überraschung

Es ist kein Geheimnis, dass der Wunsch der Klubs nach Geld, immer mehr Geld, ein wichtiges Element im Spitzenfußball ist. Aus der Statistik der letzten zehn Jahre Champions League (siehe Kasten) lassen sich jedenfalls zwei Schlüsse ziehen. Erstens: Zwischen 2012 und 2022 regierte eine ausgewählte Gruppe von vierzehn Vereinen die Champions League. Nur diese vierzehn Klubs haben in den letzten zehn Jahren mehr als einmal das Viertelfinale erreicht, wobei Bayern München die absoluten Stars ist: In den letzten zehn Saisons stand die deutsche Mannschaft nicht weniger als neun Mal im Viertelfinale. Zweitens: Jedes Jahr gibt es mindestens einen Klub, der eine große Überraschung bereithält, Ajax und Tottenham Hotspur zum Beispiel 2019. Im vergangenen Jahr stand das relativ kleine Villarreal aus Spanien im Halbfinale. Und 2013 qualifizierte sich Malaga, das jetzt in der zweiten spanischen Liga kämpft, für das Viertelfinale.

Geld ist also nicht alles, spielt aber natürlich eine Rolle, wenn auch nur in den Köpfen der Clubbesitzer und Schatzmeister. Ajax startet am Mittwochabend gegen die Rangers in dem Wissen, dass sie am Ende der Saison mindestens zwischen 45 und 50 Millionen Euro auf dem Konto gutschreiben können, selbst wenn der Klub alle Spiele von Band verliert. Alle Klubs erhalten 15,64 Millionen Euro an UEFA-Abgangsprämien. Außerdem verteilt der Europäische Fußballverband 600 Millionen Euro unter den Teilnehmern auf Basis der Leistung der letzten zehn Jahre (bei Ajax sind es mehr als 20 Millionen), dann bekommt auch das Amsterdamer Team rund 10 Millionen garantierte Einnahmen. der TV-Rechte-Kätzchen. Für jeden Sieg werden zusätzlich 2,8 Millionen Euro ausgezahlt, für ein Unentschieden 930.000 Euro. Und dann gibt es Prämien für das Erreichen des Achtelfinals bis hin zum Finale.

Ajax ist in den Niederlanden ein echter Glücksfall, aber das Einkommen entspricht nicht dem der wirklichen Großverdiener. Die italienische Zeitung Die Gazzetta dello Sport Berechnungen zufolge hat Real Madrid seit der Gründung der Champions League im Jahr 1992 nicht weniger als 1,1 Milliarden Euro mit dem Turnier verdient, ohne die Einnahmen aus dem Ticketverkauf für Heimspiele.

Neue Konfiguration ab 2024

Die europäische Fußballsaison 2022/23 ist die vorletzte im aktuellen Format. Ab 2024 steigt die Zahl der Champions-League-Teilnehmer von 32 auf 36 und die Klubs bestreiten vor Beginn der K.-o.-Runde acht statt sechs Spiele nach einem komplizierten «Schweizer Modell».

Die Gesamtzahl der Spiele in einer Champions-League-Saison wird von 125 auf 189 steigen. Schon jetzt äußern viele Top-Vereinsmanager Sorgen über die körperliche und geistige Überlastung ihrer Spieler – und es wird noch zunehmen. Die Folge wird zweifelsohne eine weitere Abwertung der Pokalwettbewerbe in verschiedenen Ländern sein: In England beispielsweise werden die Top-Klubs ihre Spieler noch öfter schonen, als dies bereits im FA-Cup und im Ligue-Cup der Fall ist.

Der Grund für das neue Champions-League-Format ist klar: Mehr Spiele bedeuten mehr Einnahmen (weil mehr TV-Gelder), darunter bekommen Klubs aus den Top-Ligen von England, Deutschland, Spanien und aus Italien den größten Anteil. Damit hat die höchste Spielklasse eigentlich das, was sie 2021 erreichen wollte: eine Art europäische Super League, in der die wohlhabenden Klubs immer reicher werden. Auffällig ist, dass drei der zwölf Initiatoren des endgültig abgesagten europäischen Spitzenwettbewerbs in den vergangenen zehn Jahren nur ein einziges Mal das Viertelfinale der Champions League erreicht haben: AC Mailand, Internazionale und Arsenal.

Und Ajax war erfolgreich. Hoffnung gibt Leben.

Die Champions-League-Viertelfinalisten der letzten zehn Spielzeiten

Bayern München 9
Barcelona 8
RealMadrid 8
Atlético Madrid 6
ManchesterCity 6
Paris Saint-Germain 6
Juve 5
Borussia-Dortmund 4
Liverpool 4
Chelsea 3
FC Porto 3
Benfica 2
Manchester United 2
AS Monaco 2
Ajax 1
Atalanta Bergamo 1
Galatasaray 1
Leicester-City 1
Malaga 1
Olympia Lyon 1
RBLeipzig 1
AS Rom 1
Sevilla 1
Tottenham Hotspur 1
Villarreal 1
VfL Wolfsburg 1

Gewinner der letzten zehn Saisons

RealMadrid 5
Bayern München 2
Chelsea 1
Liverpool 1
Barcelona 1

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Adelhard Simon

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