Deutschland will nun so schnell wie möglich mindestens zwei LNG-Terminals besitzen

Deutschland will nun so schnell wie möglich mindestens zwei LNG-Terminals besitzen

Energiekrise

Deutschland hat beschlossen, die Bauarbeiten an zwei LNG-Importterminals im Land zu beschleunigen, um die Abhängigkeit von russischen Gasimporten zu verringern.

Das sagte Bundeskanzler Olaf Scholz am Sonntag in seiner aufsehenerregenden Rede, in der er ankündigte, dass das Land in diesem Jahr 100 Milliarden Euro zur Stärkung der deutschen Verteidigung freigeben werde. „Wir werden mehr tun müssen, um unsere Importabhängigkeit von einem einzigen Energielieferanten zu überwinden“, sagte Scholz.

Import von LNG

Im Gegensatz zu fast allen europäischen Ländern am Meer verfügt Deutschland nicht über eigene LNG-Importterminals. Zwei Projekte befinden sich in der Entwicklungsphase: ein Terminal mit einer Importkapazität von zwölf Millionen Kubikmetern in Stade und eines mit acht Millionen Kubikmetern in Brunsbüttel, beide an der Elbe.

Letzteres würde von der deutschen Oiltanking in Zusammenarbeit mit Vopak und Gasunie aus den Niederlanden entwickelt. Ende letzten Jahres zog sich Vopak jedoch wegen schwieriger deutscher Lizenzierung „als aktiver Partner“ aus dem jahrelangen Projekt zurück. Das Projekt wird derzeit unter deutscher Leitung weitergeführt.

Entwickelt wird das Terminal Stade vom Konsortium Hanseatic Energy Hub mit der belgischen LNG-Gruppe Fluxys, der Schweizer Finanzgruppe Partners und dem deutschen Energie- und Transportkonzern Buss als Partner. Das Konsortium hat kürzlich beschlossen, das Projekt „aufgrund der Marktvolatilität“ auf Eis zu legen.

Mottenkugeln

Die Äußerungen von Scholz deuten darauf hin, dass ein weiteres Projekt, das ebenfalls verschoben wurde, eingemottet wird. Uniper ist seit Jahren in Gesprächen mit Wilhelmshaven, um eine Floating Storage and Regasification Unit (frsu) bzw. ein Floating Gas Import Terminal zu installieren. Das deutsche Unternehmen gab vor zwei Jahren auf und wandte sich dem Bau eines Wasserstoffterminals zu. Mit den Ausführungen von Scholz scheinen sich die Chancen für den frsu-Plan zu wenden, da ein solches schwimmendes Terminal deutlich schneller realisiert werden kann als ein festes Terminal.

Russlands staatlich kontrollierte Gazprom verkaufte Deutschland im vergangenen Jahr etwa 50 Milliarden Kubikmeter Erdgas aus einem Gesamtnettoimport von 84 Milliarden Kubikmetern. Damit entfallen fast 60 % der deutschen Gasimporte auf Russland.

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Helfried Beck

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