Chinesische Armee greift technologisches Wissen an europäischen Universitäten an

Chinesische Militärwissenschaftler arbeiten zunehmend mit europäischen Universitäten zusammen. Die Erkenntnisse, die chinesische Gelehrte daraus gewinnen, kommen vor allem der Volksbefreiungsarmee zugute. Experten sagen, dass in Bereichen, in denen chinesische und niederländische Forscher zusammenarbeiten dürfen, strengere Regeln erforderlich sind.

Das zeigen Untersuchungen aus Wissenschaftliche Untersuchung Chinas, eine internationale Partnerschaft, in der Journalisten aus den Niederlanden, Deutschland, Belgien, Spanien, Italien, Dänemark und der Schweiz zusammenarbeiten. Im Auftrag der Niederlande haben RTL-Nachrichten und folgen Sie dem Geld der Sache nachgegangen. Gemeinsam haben sie 350.000 wissenschaftliche Publikationen studiert.

Größte militärische Supermacht im Jahr 2049

Chinesische Militärwissenschaftler der Nationalen Universität für Verteidigungstechnologie (NUDT) interessieren sich besonders für Kenntnisse in Waffentechnologie, unbemannten Fahrzeugen, Robotik und Halbleitern. Die NUDT ist die einzige Universität in China, die an der Erforschung dieser Technologien beteiligt ist: Es gibt auch Forschungszentren beispielsweise für die Marine und die Luftwaffe.

In den letzten zwanzig Jahren haben chinesische Militäruniversitäten 2.994 Studien mit europäischen Universitäten durchgeführt. Die meisten Studien wurden im Vereinigten Königreich durchgeführt (1389). An zweiter und dritter Stelle liegen Deutschland und die Niederlande mit 349 bzw. 288 Studien. Die NUDT hat die meisten Studien aller Militäruniversitäten in China, nämlich 2.210.

China strebt nach diesem Wissen, bis 2049 die größte militärische Supermacht der Welt zu werden. Präsident Xi Jinping hat diesen Ehrgeiz nie verheimlicht. China hat jedoch noch einen langen Weg vor sich, um dieses Ziel zu erreichen. Westliches Wissen ist dafür unabdingbar. Aus diesem Grund investiert China stark in die Entwicklung seiner Militäruniversitäten. Die Zusammenarbeit mit europäischen Institutionen ist dabei von entscheidender Bedeutung.

„Die Sicherheitsaspekte der chinesischen Zusammenarbeit sind jetzt greifbar und aufschlussreich“

Danny Pronk, Verteidigungsexperte und Senior Fellow in der Sicherheitsabteilung des Clingendael Institute, sagt, dass diese Partnerschaften den Chinesen helfen, eine führende globale Macht zu werden. Pronk sagt, dass die Ergebnisse der wissenschaftlichen Forschung Chinas Verteidigungsapparat dienen.

Sicherheits- und Geheimdienste warnen seit Jahren vor Cyberspionage durch China. Im vergangenen Mai schrieb das NRC einen Artikel, in dem die Zeitung behauptete, dass Dutzende von Forschern der TU Delft enge Verbindungen zum chinesischen Militär hätten. Die damalige Ministerin für Bildung, Kultur und Wissenschaft, Ingrid van Engelshoven, sagte, es gebe keine Beweise dafür, dass niederländisches Wissen an das chinesische Militär weitergegeben worden sei.

Trotz dieser Warnungen wächst die Zahl der Studien weiter. Tatsächlich sahen europäische Forschungseinrichtungen die Zusammenarbeit als Gelegenheit, Geld zu verdienen. „Wir waren da ziemlich naiv. Jetzt werden die Sicherheitsaspekte dieser Zusammenarbeit greifbar und aufschlussreich, aber wir haben uns lange nicht damit auseinandergesetzt“, bemerkt Pronk.

„Der Zusammenarbeit Grenzen setzen“

Der Verteidigungsspezialist ist der Meinung, dass die niederländische Regierung klare Grenzen setzen sollte, in welchen Bereichen wir mit den Chinesen kooperieren können oder nicht. „An manchen Fronten ist es vielleicht schon zu spät. Die Modernisierung der chinesischen Volksbefreiungsarmee hat im letzten Jahrzehnt Fahrt aufgenommen. Aber viele andere Bereiche befinden sich noch in der Entwicklung und Forschung“, sagte Pronk gegenüber RTL Nieuws. Ihm zufolge sollte die Regierung die Zusammenarbeit mit chinesischen Universitäten einschränken.

Niederländische Universitäten sagten in einer Antwort, dass sie akademische Freiheit schätzen. Gleichzeitig wurde in den letzten Jahren dem Risiko, dass hochwertiges technologisches Wissen in das chinesische Militär gelangt, große Aufmerksamkeit geschenkt.

Empörung über ein Forschungsprojekt mit Huawei

2020 war die Empörung groß, als die Universität Amsterdam (UvA), die VU University Amsterdam (VU) und Huawei ankündigten, eine Untersuchung zum Einsatz künstlicher Intelligenz für Suchmaschinen einzuleiten. „Warum die Chinesen Millionen in eine Technologie investieren lassen, in der wir die Besten sein wollen? Wie sicher ist es wirklich? fragte damals der Abgeordnete Dennis Wiersma (VVD).

Auch Joba van den Berg (CDA) zeigte sich von der Zusammenarbeit überrascht. „Lebenswichtige Sektoren müssen besser geschützt werden“, sagte sie zu dem Thema. Kees Verhoeven (D66) forderte, dass die zuständigen Minister klarstellen, „wie das Kabinett Entscheidungen in Fällen trifft, in denen technologische Eingriffe drohen“. Das Rathenau-Institut hat darauf hingewiesen, dass die Grenzen zwischen Wehrtechnik und Bauingenieurwesen zunehmend verschwimmen.

Die Universitäten sagten, sie hätten zuvor den AIVD und den Nationalen Koordinator für Sicherheit und Terrorismusbekämpfung (NCTV) konsultiert. Da Bildungseinrichtungen Sicherheitsvorkehrungen zur Verhinderung von Wissensdiebstahl erließen, konnte die Zusammenarbeit mit Huawei zustande kommen. Das chinesische Technologieunternehmen hat 3,5 Millionen Euro in das Forschungsprojekt investiert.

Helfried Beck

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